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Regulation statt Substitution

Über die Problematik der Substitutionstherapie und warum diese aus meiner Sicht nicht die Ursachen behandelt.



Viele Frauen, die sich bei mir in der Praxis mit hormonellen Störungen wie Endometriose, PMS, PCOS, androgenem Haarausfall, Östrogendominanz, Schilddrüsenunterfunktion und ähnlichen Beschwerden vorstellen, hatten zuvor bereits mit einer Hormonersatztherapie ihre Erfahrungen gemacht - sei es mit künstlichen bzw. bioidentischen Hormonen, mit homöopathischen Hormonpräparaten oder hormonähnlichen Substanzen wie z.B. Phytohormonen (Phytoöstrogen, Phytoprogesteron). Ihre Erwartungen sind dabei häufig nicht erfüllt worden, da immer wieder Nebenwirkungen oder Symptomverschlimmerungen auftraten bzw. Verbesserungen der Symptome oftmals nur von kurzer Dauer waren.

Im Erstgespräch werde ich dann mit der Frage konfrontiert: "Warum habe ich die Symptome eines Mangels oder Verschlimmerungen des Befindens, obwohl ich den Hormonmangel doch ausgleiche?"


In meinem heutigen Beitrag möchte ich auf die Problematik der Substitutionstherapie eingehen und warum diese aus meiner Sicht nicht die Ursachen behandelt.


In der Substitutionstherapie werden Hormone, die aus der Balance geraten oder im Mangel sind, mittels Bluttest oder Speicheltests ermittelt und die fehlenden Hormone dann lediglich durch natürliche oder künstliche ersetzt. Dabei sehe ich die Substitution mit künstlichen Hormonen (Antibabypille, Gestagene, Östrogene usw.) noch problematischer als mit bioidentischen Hormonen. Es gibt inzwischen immer mehr Studien und Hinweise, dass künstlich veränderte Hormone teilweise oder auch dauerhaft die Eigenregulationsmechanismen des Körpers verstellen können und somit die Regulation hormoneller Ungleichgewichte erschweren.

Bei der Substitutionstherapie wird nur selten danach gesucht, warum die wichtigsten Hormonachsen aus der Balance geraten sind und warum der Körper nicht mehr in der Lage ist, diese selbst wieder zu regulieren. Ich sehe die Ursachen hormoneller Störungen meist nicht im Hormonsystem selbst begründet, sondern in den Störungen der darüber liegenden Körpersysteme wie Energiestoffwechsel, Nervensystem oder Psyche.


Natürlich ist eine Substitutionstherapie in einigen Fällen wie z. B. bei dauerhaftem Versagen hormonproduzierender Organe, entfernten oder unterentwickelten Drüsen wie z.B. der Schilddrüse, der Eierstöcke, des Hodens, Morbus Addison oder bei einer Hypophyseninsuffizienz unerlässlich und lebenswichtig, selbst wenn Nebenwirkungen zu erwarten sind. Davon spreche ich hier aber ausdrücklich nicht, diese sind ganz klar ein Fall für den Endokrinologen.


Doch selbst in diesen sehr seltenen Fällen kann meine Regulationstherapie Nebenwirkungen bzw. Beschwerden der Hormonersatztherapie lindern und die Produktion noch vorhandener Hormondrüsen durch die Regulierung des Energiestoffwechsels (Nahrungsergänzung, Mikro- und Makronährstoffe), der Nebennieren (z.B. durch Ernährungsumstellung, Entgiftungsmaßnahmen), des Nervensystems und der Psyche optimal unterstützen.


Die Substitutionstherapie kann zwar im Vergleich zur Regulationstherapie (die in der Regel viel mehr Disziplin und Durchhaltevermögen von einem Patienten abverlangt und langsamer vonstattengeht) schnellere Symptomverbesserung liefern. Allerdings - und nun komme ich zum eigentlichem Problem der Hormonerstatztherapie - nur dann, wenn der Körper einigermaßen dazu in der Lage ist, Energie auf Zellebene herzustellen, was bei ca. 90% meiner Patienten leider nicht der Fall ist.

Lebens-/Schilddrüsenstoffwechsel - Überlebens-/Stressstoffwechsel

Der Körper besitzt die Fähigkeit, vom Lebens-Schilddrüsenstoffwechsel in den Überlebens-Stressstoffwechsel zu wechseln. Erfährt unser Körper massiven Stress, werden vermehrt Stresshormone hergestellt. Für diese Stresshormone wie Kortisol braucht unser Körper Hormonbausteine wie Pregnenolon und Progesteron, die überwiegend im Lebens-Schilddrüsenstoffwechsel hergestellt werden und im Stressstoffwechsel vermehrt in Kortisol umgewandelt bzw. verbraucht werden. Dieses Phänomen wird auch als "Pregnenolon Steal Syndrom" bezeichnet. Bereits hier wird klar, warum die verabreichten Hormone wie z.B. Progesteron, DHEA oder Testosteron anders wirken als gedacht und wie wichtig die Beseitigung des Energiemangels für eine erfolgreiche Substitutionstherapie erscheint. Der Körper wird seine Energiespeicher in den Zellen niemals füllen können, wenn sein ganzes System einen Notstand signalisiert.


Beim langsamen Stoffwechsel sind häufig zusätzlich die drei großen Hormonsysteme (Schilddrüse, Nebennieren und Geschlechtsorgane) im Stress des Überlebensmodus und somit aus der Balance. Die Schilddrüse befindet sich in der Unterfunktion, die Nebennieren produzieren vermehrt Adrenalin und in den Anfangsstadien der Nebennierenerschöpfung überwiegend Kortisol, bei lang andauerndem Stress erschöpfen die Nebennieren, sodass schließlich Kortisolmangel auftritt. Die Geschlechtsdrüsen produzieren im Stressstoffwechsel vermehrt Östrogene, was sich dann als Östrogendominanz bemerkbar macht, wodurch bei Frauen ein Progesteronmangel und bei Männern Testosteronmangel auftritt.

Wird im langsamen Stoffwechsel z. B. bioidentisches Progesteron, Phytoprogesteron (z.B. Mönchspfeffer) oder homöopathisches Progesteron in D4 Potenz substituiert, besteht die Gefahr, dass sich dieser im Stressstoffwechsel in Östrogen oder Kortisol umwandeln kann. Das geschieht häufig bei Schwermetallbelastungen durch Kupfer oder bei HPU, bei einer mangelnden Entgiftungskapazität der Leber, oder instabilem Blutzucker. Gerade Blutzuckerschwankungen verursachen eine unzuverlässige Wirkung des Progesterons am Rezeptor, da es bei einem niedrigen Blutzucker erst gar nicht in die Zellen aufgenommen werden kann. Ähnlich verhält es sich mit den sogenannten Anti-Aging-Hormonen Pregnenolon, DHEA und Testosteron, welche ebenfalls bei Stress vor allem in Kortisol und in Östrogen umgewandelt werden. Dadurch wird deutlich, wie wichtig die Beseitigung des Energiemangels auf Zellebene und die Beendigung des Stressstoffwechsels für eine erfolgreiche Therapie ist.


Daher würde ich auf eine Substitution aus den oben beschriebenen Gründen verzichten, da es am Anfang der Therapie bei den meisten Patienten wenig Erfolg verspricht.


Zusammenfassend würde ich sagen, dass eine Substitutionstherapie aus meiner Sicht nur dann nötig erscheint, wenn hormonproduzierende Organe fehlen oder in ihrer Funktion eingeschränkt sind und somit nicht in der Lage sind, Hormone zu produzieren oder wenn sichergestellt ist, dass das eingenommene Hormon nicht in ein anderes, kontraproduktives Hormon umgewandelt wird. Beim schnellen Stoffwechsel können so bestimmte Hormone wie Pregnenolon, Progesteron und DHEA zur Selbstregulation beitragen, sodass der Körper nach kurzer Substitution hormonfrei in der Balance bleiben kann. Jedoch wird sich auch hier nur Erfolg einstellen, wenn zusätzlich Ernährungs- und Co-Faktoren der Energieproduktion sowie Stress-Mangement bei der Therapie hinreichend beachtet werden.

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