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Untergewicht verstehen: Warum manche Menschen trotz ausreichender Ernährung nicht zunehmen

  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden



Hormonelle, stoffwechselbedingte und psychoemotionale Ursachen von Untergewicht


Untergewicht wird oft nicht als echtes gesundheitliches Problem wahrgenommen. Viele denken, ein niedrigeres Gewicht sei automatisch unbedenklich oder sogar wünschenswert. In meiner Praxis für hormonelle Regulation zeigt sich jedoch immer wieder, dass Untergewicht häufig Ausdruck einer gestörten Stoffwechsellage ist und mit tieferliegenden hormonellen, nervalen und psychoemotionalen Zusammenhängen verbunden sein kann.

Ich habe in meiner Praxis bereits häufig Patientinnen begleitet, die unter Untergewicht gelitten haben – nicht, weil sie bewusst zu wenig gegessen hätten, sondern weil ihr Körper sich in einem dauerhaften Stress- und Alarmzustand befand. Sehr oft spielen dabei ein Adrenalinüberschuss, persistierende frühkindliche Reflexe , eine gestörte Nährstoffaufnahme und ein überlastetes Nervensystem eine zentrale Rolle.


Untergewicht ist oft kein Kalorienproblem


Wer nicht zunimmt oder sein Gewicht kaum halten kann, hört oft Sätze wie: „Dann iss doch einfach mehr.“ So einfach ist es in vielen Fällen aber nicht.

Ein Körper kann nur dann gesund aufbauen, wenn er sich in einem Zustand von Sicherheit, Verdauung und Regulation befindet, im sogenannten Lebensmodus. Ist er dagegen ständig innerlich angespannt, verbrennt er Energie oft schneller, als er sie speichern kann.

Untergewicht kann dabei sowohl bei einer Schilddrüsenüberfunktion als auch bei einer Schilddrüsenunterfunktion vorkommen. Besonders häufig sehe ich in der Praxis jedoch einen anderen Zusammenhang: einen dauerhaft erhöhten Adrenalinspiegel und eine Nebennierenerschöpfung.

Adrenalin ist ein starkes Stresshormon und wirkt im Stoffwechsel wie ein Beschleuniger. Es erhöht den Energieverbrauch, fördert die Fettverbrennung und hält den Körper in einem Zustand ständiger Aktivierung des Überlebens oder Stressmodus. Ein solcher Organismus hat oft große Schwierigkeiten, überhaupt Substanz aufzubauen.


Die Rolle von Adrenalin und Nervensystem


  • Nach meiner Beobachtung hat Untergewicht sehr häufig mit einer chronischen Überaktivierung des Nervensystems zu tun.

    Wenn der Körper permanent auf Alarm eingestellt ist:

    • wird Energie schneller verbrannt

    • Verdauung und Resorption laufen nicht optimal

    • Aufbauprozesse werden nachrangig behandelt

    • Regeneration bleibt aus

    Der Körper lebt dann nicht im Modus von Wachstum und Speicherung sondern im Modus von Flucht, Wachsamkeit und Verbrauch.

    Ein wichtiger Aspekt können dabei auch persistierende frühkindliche Reflexe sein. Sie können das Nervensystem dauerhaft in einer Art unterschwelliger Alarmbereitschaft halten und so immer wieder Adrenalinstöße begünstigen.


Nährstoffaufnahme und Stoffwechsellage


Ein weiterer zentraler Punkt ist die Nährstoffaufnahme. Viele Betroffene essen grundsätzlich nicht zu wenig, nehmen aber dennoch kaum zu, weil der Körper die zugeführten Nährstoffe nicht optimal verwerten kann.

Das betrifft nicht nur Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, sondern auch die Makronährstoffe. Wenn die Verdauung nicht stabil arbeitet oder der Darm unter Belastung steht, kann das dazu führen, dass:

  • Nährstoffe schlechter aufgenommen werden

  • Energie nicht ausreichend verfügbar ist

  • Muskel- und Fettaufbau erschwert werden

  • die hormonelle Regulation zusätzlich leidet

Gerade in solchen Fällen braucht der Körper nicht nur „mehr Essen“, sondern vor allem besser verwertbare Energie und mehr metabolische Stabilität.


Was oft besser funktioniert als Zucker


Viele Menschen mit Untergewicht versuchen, ihr Gewicht über Zucker oder süße Zwischenmahlzeiten zu halten. Kurzfristig kann das Kalorien bringen, langfristig ist es jedoch meist keine gute Lösung.

Denn Zucker führt häufig zu:

  • starken Blutzuckerschwankungen

  • noch mehr innerer Unruhe

  • einer zusätzlichen Belastung des Stresssystems

  • einer schlechteren langfristigen Regulation

Aus meiner Sicht ist es deutlich sinnvoller, den Körper regelmäßig mit kleinen, gut verträglichen Mahlzeiten zu versorgen, die aus Eiweiß, Kohlenhydraten und ausreichend Fett bestehen.

Besonders Menschen mit hoher Adrenalinausschüttung brauchen oft mehr Kohlenhydrate als andere, sollten diese aber nicht in riesigen Portionen auf einmal essen. Besser sind kleinere, regelmäßige Mengen, damit der Blutzucker stabil bleibt und der Körper nicht noch stärker in den Stressstoffwechsel rutscht.


Die psychische und psychoemotionale Ebene


Untergewicht hat nicht selten auch eine emotionale und psychische Komponente. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Angststörungen

  • innere Anspannung

  • aktive oder unbewältigte Traumata

  • ein dauerhaftes Gefühl von Unsicherheit

Ein Nervensystem, das ständig auf Gefahr eingestellt ist, verbraucht enorm viel Energie. In solchen Fällen fällt es dem Körper schwer, in einen Zustand von Ruhe, Aufbau und Fülle zu kommen.

Deshalb ist es wichtig, Untergewicht nicht nur stoffwechselmedizinisch zu betrachten, sondern auch die Frage zu stellen: Wie sicher fühlt sich dieser Körper überhaupt?


Was der Körper wirklich braucht, um aufzubauen


Ein Körper kann nicht gesund zunehmen, wenn er dauerhaft im Alarmmodus bleibt. Er braucht:

  • eine stabile Nährstoffversorgung

  • eine gute Verdauung und Resorption

  • ausreichend Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett

  • ein reguliertes Nervensystem

  • hormonelle Balance

  • innere Sicherheit

Untergewicht ist deshalb häufig kein Zeichen von Disziplin oder mangelndem Willen, sondern Ausdruck einer inneren Stoffwechsel- und Regulationsproblematik.



Fazit


Untergewicht ist oft vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. In meiner Praxis zeigt sich immer wieder, dass vor allem folgende Faktoren eine Rolle spielen:

  • eine gestörte Stoffwechsellage

  • Adrenalinüberschuss

  • Nebennierenerschöpfung

  • Probleme mit der Nährstoffaufnahme

  • persistierende frühkindliche Reflexe

  • psychoemotionale Belastungen und ein unreifes oder überlastetes Nervensystem

Wer gesund zunehmen möchte, braucht deshalb meist nicht einfach nur mehr Kalorien, sondern einen Körper, der überhaupt wieder in die Lage kommt, anzunehmen, zu speichern und aufzubauen.



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