Untergewicht verstehen: Warum manche Menschen trotz ausreichender Ernährung nicht zunehmen
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Aktualisiert: vor 7 Stunden

Hormonelle, stoffwechselbedingte und psychoemotionale Ursachen von Untergewicht
Untergewicht wird oft nicht als echtes gesundheitliches Problem wahrgenommen. Viele denken, ein niedrigeres Gewicht sei automatisch unbedenklich oder sogar wünschenswert. In meiner Praxis für hormonelle Regulation zeigt sich jedoch immer wieder, dass Untergewicht häufig Ausdruck einer gestörten Stoffwechsellage ist und mit tieferliegenden hormonellen, nervalen und psychoemotionalen Zusammenhängen verbunden sein kann.
Ich habe in meiner Praxis bereits häufig Patientinnen begleitet, die unter Untergewicht gelitten haben – nicht, weil sie bewusst zu wenig gegessen hätten, sondern weil ihr Körper sich in einem dauerhaften Stress- und Alarmzustand befand. Sehr oft spielen dabei ein Adrenalinüberschuss, persistierende frühkindliche Reflexe , eine gestörte Nährstoffaufnahme und ein überlastetes Nervensystem eine zentrale Rolle.
Untergewicht ist oft kein Kalorienproblem
Wer nicht zunimmt oder sein Gewicht kaum halten kann, hört oft Sätze wie: „Dann iss doch einfach mehr.“ So einfach ist es in vielen Fällen aber nicht.
Ein Körper kann nur dann gesund aufbauen, wenn er sich in einem Zustand von Sicherheit, Verdauung und Regulation befindet, im sogenannten Lebensmodus. Ist er dagegen ständig innerlich angespannt, verbrennt er Energie oft schneller, als er sie speichern kann.
Untergewicht kann dabei sowohl bei einer Schilddrüsenüberfunktion als auch bei einer Schilddrüsenunterfunktion vorkommen. Besonders häufig sehe ich in der Praxis jedoch einen anderen Zusammenhang: einen dauerhaft erhöhten Adrenalinspiegel und eine Nebennierenerschöpfung.
Adrenalin ist ein starkes Stresshormon und wirkt im Stoffwechsel wie ein Beschleuniger. Es erhöht den Energieverbrauch, fördert die Fettverbrennung und hält den Körper in einem Zustand ständiger Aktivierung des Überlebens oder Stressmodus. Ein solcher Organismus hat oft große Schwierigkeiten, überhaupt Substanz aufzubauen.
Die Rolle von Adrenalin und Nervensystem
Nach meiner Beobachtung hat Untergewicht sehr häufig mit einer chronischen Überaktivierung des Nervensystems zu tun.
Wenn der Körper permanent auf Alarm eingestellt ist:
wird Energie schneller verbrannt
Verdauung und Resorption laufen nicht optimal
Aufbauprozesse werden nachrangig behandelt
Regeneration bleibt aus
Der Körper lebt dann nicht im Modus von Wachstum und Speicherung sondern im Modus von Flucht, Wachsamkeit und Verbrauch.
Ein wichtiger Aspekt können dabei auch persistierende frühkindliche Reflexe sein. Sie können das Nervensystem dauerhaft in einer Art unterschwelliger Alarmbereitschaft halten und so immer wieder Adrenalinstöße begünstigen.
Nährstoffaufnahme und Stoffwechsellage
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Nährstoffaufnahme. Viele Betroffene essen grundsätzlich nicht zu wenig, nehmen aber dennoch kaum zu, weil der Körper die zugeführten Nährstoffe nicht optimal verwerten kann.
Das betrifft nicht nur Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, sondern auch die Makronährstoffe. Wenn die Verdauung nicht stabil arbeitet oder der Darm unter Belastung steht, kann das dazu führen, dass:
Nährstoffe schlechter aufgenommen werden
Energie nicht ausreichend verfügbar ist
Muskel- und Fettaufbau erschwert werden
die hormonelle Regulation zusätzlich leidet
Gerade in solchen Fällen braucht der Körper nicht nur „mehr Essen“, sondern vor allem besser verwertbare Energie und mehr metabolische Stabilität.
Was oft besser funktioniert als Zucker
Viele Menschen mit Untergewicht versuchen, ihr Gewicht über Zucker oder süße Zwischenmahlzeiten zu halten. Kurzfristig kann das Kalorien bringen, langfristig ist es jedoch meist keine gute Lösung.
Denn Zucker führt häufig zu:
starken Blutzuckerschwankungen
noch mehr innerer Unruhe
einer zusätzlichen Belastung des Stresssystems
einer schlechteren langfristigen Regulation
Aus meiner Sicht ist es deutlich sinnvoller, den Körper regelmäßig mit kleinen, gut verträglichen Mahlzeiten zu versorgen, die aus Eiweiß, Kohlenhydraten und ausreichend Fett bestehen.
Besonders Menschen mit hoher Adrenalinausschüttung brauchen oft mehr Kohlenhydrate als andere, sollten diese aber nicht in riesigen Portionen auf einmal essen. Besser sind kleinere, regelmäßige Mengen, damit der Blutzucker stabil bleibt und der Körper nicht noch stärker in den Stressstoffwechsel rutscht.
Die psychische und psychoemotionale Ebene
Untergewicht hat nicht selten auch eine emotionale und psychische Komponente. Dazu gehören zum Beispiel:
Angststörungen
innere Anspannung
aktive oder unbewältigte Traumata
ein dauerhaftes Gefühl von Unsicherheit
Ein Nervensystem, das ständig auf Gefahr eingestellt ist, verbraucht enorm viel Energie. In solchen Fällen fällt es dem Körper schwer, in einen Zustand von Ruhe, Aufbau und Fülle zu kommen.
Deshalb ist es wichtig, Untergewicht nicht nur stoffwechselmedizinisch zu betrachten, sondern auch die Frage zu stellen: Wie sicher fühlt sich dieser Körper überhaupt?
Was der Körper wirklich braucht, um aufzubauen
Ein Körper kann nicht gesund zunehmen, wenn er dauerhaft im Alarmmodus bleibt. Er braucht:
eine stabile Nährstoffversorgung
eine gute Verdauung und Resorption
ausreichend Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett
ein reguliertes Nervensystem
hormonelle Balance
innere Sicherheit
Untergewicht ist deshalb häufig kein Zeichen von Disziplin oder mangelndem Willen, sondern Ausdruck einer inneren Stoffwechsel- und Regulationsproblematik.
Fazit
Untergewicht ist oft vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. In meiner Praxis zeigt sich immer wieder, dass vor allem folgende Faktoren eine Rolle spielen:
eine gestörte Stoffwechsellage
Adrenalinüberschuss
Nebennierenerschöpfung
Probleme mit der Nährstoffaufnahme
persistierende frühkindliche Reflexe
psychoemotionale Belastungen und ein unreifes oder überlastetes Nervensystem
Wer gesund zunehmen möchte, braucht deshalb meist nicht einfach nur mehr Kalorien, sondern einen Körper, der überhaupt wieder in die Lage kommt, anzunehmen, zu speichern und aufzubauen.



